Währungsabsicherung in KMU: So finden Sie eine passende Devisenstrategie
Für KMU mit Zahlungen in Fremdwährungen wie Euro oder US-Dollar kann das Wechselkursrisiko die Jahresrechnung spürbar beeinflussen – denn Wechselkurse schwanken, und damit auch Margen. Mit einer passenden Devisenstrategie erhöhen Sie Ihre Planungssicherheit und können Renditechancen nutzen.
Wussten Sie, dass Schweizer KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden rund 36% ihrer Exporte in Euro und 22% in weiteren Fremdwährungen fakturieren? Kein Wunder also, dass sich jedes zweite Unternehmen in der Schweiz zumindest teilweise gegen Wechselkursrisiken absichert.
Wechselkursrisiko einfach erklärt
Wechselkurse können sich ändern, und das wirkt sich direkt auf Rechnungen in Fremdwährungen aus. Denn zwischen dem Ausstellen und der Begleichung einer Rechnung vergehen meist mehrere Wochen oder gar Monate, in denen der Wechselkurs ändern kann. Je länger eine Rechnung offen ist, desto grösser das Risiko – oder die Chance.
Beispielrechnung: Bäckereibetrieb tätigt eine Investition in Euro
Ein Bäckereibetrieb aus Einsiedeln investiert in einen neuen Backofen für die Produktion, den er aus Deutschland kaufen möchte. Der Kaufpreis beträgt 95’000 Euro. Bei der Bestellung kalkuliert das Unternehmen mit einem Eurokurs von 0.96 CHF pro EUR und plant die Investition entsprechend.
Zwischen Bestellung und Zahlung vergehen jedoch mehrere Monate – und in dieser Zeit schwächt sich der Franken deutlich ab. Dadurch wird die Rechnung in Schweizer Franken spürbar teurer, obwohl der Euro-Betrag unverändert bleibt.
Hinweis: Bei den Wechselkursen handelt es sich um Beispielwerte zur Veranschaulichung.
Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, warum Wechselkursrisiken nicht nur Exportfirmen, sondern alle Unternehmen betreffen, die mit Fremdwährungen in Kontakt kommen – insbesondere auch KMU. Gerade bei grösseren Investitionen oder längeren Zahlungsfristen können wenige Rappen Kursbewegung schnell mehrere Tausend Franken Unterschied ausmachen.
Wechselkursschwankungen können jedoch auch zugunsten des Unternehmens ausfallen. Wäre der Franken im obigen Beispiel stärker geworden, hätte der Bäckereibetrieb den Backofen in Schweizer Franken günstiger bezahlen können als ursprünglich kalkuliert.
Quick-Check für KMU: Brauchen wir eine Währungsabsicherung?
Überlegen Sie, welche der folgenden Aussagen auf Ihr Unternehmen zutreffen, und lesen Sie in der Auswertungsbox unten Ihr Ergebnis mit passender Empfehlung nach.
- Fremdwährungen machen mehr als 10% an Ihrem Umsatz oder Einkauf aus.
- Das Zahlungsziel bei Rechnungen in Fremdwährungen liegt bei 30 Tagen oder mehr.
- In Ihrer Branche sind niedrige Margen und/oder fixe Projektpreise üblich.
- Sie budgetieren nicht in Franken, sondern in Euro, US-Dollar oder einer anderen Fremdwährung.
- Sie haben bereits Währungsverluste verzeichnet.
Ihr Testergebnis
3 Aussagen oder mehr treffen zu: Für Ihr Unternehmen ist eine Währungsabsicherung sehr zu empfehlen. Zusätzlich lohnt es sich, gezielt zu prüfen, wie Sie Renditechancen nutzen können.
1–2 Aussagen treffen zu: Für Ihr Unternehmen bietet sich eine teilweise Währungsabsicherung an, kombiniert mit einer Prüfung des möglichen Renditepotenzials.
Keine Aussage trifft zu: Für Ihr Unternehmen hat Währungsabsicherung aktuell keine oberste Priorität. Dennoch kann sich ein Blick auf mögliche Chancen im Umgang mit Fremdwährungen lohnen.
Hinweis: Diese Einschätzung dient Ihrer ersten Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Absicherungsstrategie zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von Ihrer konkreten Situation ab und sollte gemeinsam mit Fachpersonen geprüft werden.
Devisenstrategie: Welche Möglichkeiten gibt es?
In einer Devisenstrategie legen Sie fest, wie Sie mit Währungsrisiken umgehen und in welchem Verhältnis Sie Sicherheit und Flexibilität kombinieren möchten. Das Ziel: von Planungssicherheit, aber auf Wunsch auch von Renditechancen profitieren.
Vollabsicherung: maximale Planbarkeit
- Strategie: Sie legen bereits heute verbindlich fest, zu welchem Kurs eine zukünftige Zahlung oder ein Geldeingang in einer Fremdwährung erfolgt.
- Typischerweise geeignet für: Besonders passend ist diese Strategie für Unternehmen, die auf feste Preise und fix kalkulierbare Budgets angewiesen sind.
- Vorteile: Die Marge bleibt gut planbar, weil Wechselkursschwankungen keine Überraschungen in der Erfolgsrechnung verursachen.
- Nachteile: Entwickelt sich der Wechselkurs im Nachhinein zu Ihren Gunsten, können Sie von diesen Verbesserungen nicht profitieren.
Grundabsicherung: Sicherheit plus etwas Spielraum zur Nutzung von Chancen
- Strategie: Ein Teil der erwarteten Fremdwährungsbeträge wird im Voraus gesichert, während der restliche Teil bewusst offen bleibt.
- Typischerweise geeignet für: Diese Herangehensweise eignet sich für Unternehmen, die eine solide Grundabsicherung von Wechselkursrisiken wünschen, aber bewusst noch Raum für positive Kursentwicklungen lassen möchten.
- Vorteile: Grössere Verluste werden begrenzt, gleichzeitig bleiben Chancen auf bessere Kurse zumindest für einen Teil der Beträge bestehen.
- Nachteile: Die Planungssicherheit fällt geringer aus als bei einer vollständigen Absicherung, weil ein Teil der Zahlungen weiterhin dem Markt ausgesetzt ist.
Natürliche Steuerung: Währungsbestände clever nutzen
- Strategie: Bereits vorhandene Guthaben in Schweizer Franken und Fremdwährungen wie Euro oder US-Dollar werden so eingesetzt, dass jeweils dort mehr Mittel verfügbar sind, wo sie aktuell benötigt werden – ohne das Grundrisiko dauerhaft zu verändern.
- Typischerweise geeignet für: Diese Vorgehensweise passt zu Unternehmen, die sowohl in Schweizer Franken als auch in Fremdwährungen Rechnungen stellen oder erhalten und ihre Liquidität zwischen den Währungen aktiv steuern möchten.
- Vorteile: Die Zahlungsfähigkeit in der jeweils benötigten Währung lässt sich gezielt sicherstellen, und bestehende Währungsbestände werden sinnvoll genutzt.
- Nachteile: Für die Umsetzung ist ein gutes Verständnis der eigenen Zahlungsströme und Kontenstrukturen nötig, was die Handhabung etwas anspruchsvoller macht.
Aktives Währungsmanagement: Chancen nutzen, Risiken bewusst steuern
- Strategie: Wechselkurse werden laufend beobachtet, und auf Basis der Marktentwicklung werden gezielt Zeitpunkte für Absicherungen oder Transaktionen gewählt.
- Typischerweise geeignet für: Diese Strategie richtet sich an Unternehmen, die sich regelmässig mit den Finanzmärkten befassen und bereit sind, Chancen und Risiken aktiv zu managen.
- Vorteile: Günstige Kursbewegungen lassen sich nutzen, um zusätzliche Erträge zu erzielen oder bessere Konditionen zu erreichen.
- Nachteile: Die Resultate können stärker schwanken, und es braucht Zeit, Aufmerksamkeit und klare Entscheidungsprozesse, um die Positionen sinnvoll zu steuern.
Hinweis: Die hier beschriebenen Strategien dienen einer ersten Orientierung. Welche Lösung zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von Ihrer individuellen Situation, Ihrem Währungs-Exposure sowie Ihrem Risikoprofil ab. Eine persönliche Beratung hilft, die passende Strategie zu wählen und optimal umzusetzen.
Fremdwährungsrisiko absichern in 5 Schritten
Mit den folgenden fünf Schritten schaffen Sie die Grundlage, um Ihr Währungsrisiko systematisch zu erfassen, zu steuern und laufend im Blick zu behalten.
1. Zahlungen in Fremdwährungen Exposure erfassen
- Sammeln Sie alle bestehenden und geplanten Zahlungen in Fremdwährungen, wie Rechnungen, Offerten und Verträge. Diese Zahlungen bilden Ihr «Währungs-Exposure», also die Summe aller offenen Beträge, die durch Wechselkursschwankungen beeinflusst werden können.
- Halten Sie für jedes Geschäft den Betrag, die Währung sowie den Zeitpunkt der Zahlung oder des Geldeingangs fest.
- Unterscheiden Sie zwischen einmaligen und wiederkehrenden Zahlungen (z. B. einmalige Anschaffung/Projekt oder monatliche Lieferantenrechnungen).
- Überlegen Sie: Wo wären Kursverluste besonders schmerzhaft (z. B. bei niedriger Marge, grossem Betrag, langer Laufzeit …)?
2. Devisenstrategie definieren
- Überlegen Sie, wie viel Sicherheit Sie brauchen: lieber feste Planbarkeit oder etwas Spielraum für Chancen? Dies ist die Grundlage für die Wahl einer geeigneten Devisenstrategie.
- Definieren Sie, welcher Anteil der Fremdwährungsbeträge abgesichert werden soll, z. B. 60%, 80% oder 100%. Das ist die sogenannte Hedge-Quote (Absicherungsquote).
- Bestimmen Sie auch interne Grundsätze, beispielsweise: Ab welcher Betragshöhe oder Laufzeit wird grundsätzlich abgesichert?
3. Instrumente auswählen
- Klären Sie zusammen mit Ihrer Bank, welche Instrumente des Fremdwährungsmanagements zu Ihrer Strategie passen (z. B. Termingeschäfte, Devisenoptionen, Devisenswaps oder Lösungen mit limitierten Devisenaufträgen).
- Prüfen Sie, wie stark Prozesse automatisiert werden können, etwa durch Kurslimiten, die bei Erreichen automatisch ausgelöst werden.
- Vereinbaren Sie (spätestens jetzt) einen Termin mit Ihrer Bank, um die geplanten Geschäfte konkret durchzugehen und den passenden Umsetzungsplan zu definieren.
4. Prozess und Verantwortungen festlegen
- Definieren Sie klar, wer im Unternehmen für Fremdwährungsfragen zuständig ist.
- Halten Sie fest, wie der Ablauf aussieht: von der Beobachtung über den Entscheid bis hin zur eigentlichen Absicherung.
- Vereinbaren Sie Regeln für Vertretung und Freigaben (z. B. Wer darf was entscheiden, ab welcher Höhe braucht es eine zweite Zustimmung? etc.)
- Überlegen Sie, welche Aufgaben an Fachpersonen delegiert werden sollen (z. B. Überwachung von Limiten, Benachrichtigungen, Vorschläge etc.).
5. Monitoring und Justierung
- Überprüfen Sie regelmässig (z. B. einmal im Monat), ob Zahlungen, Kurse und Absicherungen noch den ursprünglichen Annahmen entsprechen.
- Kontrollieren Sie, ob neue Verträge oder Projekte ins Währungs-Exposure aufgenommen werden müssen.
- Passen Sie die Strategie bei Bedarf an: beispielsweise die Absicherungsquote (Hedge-Quote) erhöhen oder senken, Laufzeiten ändern, zusätzliche Limiten setzen etc.
- Lernen Sie aus Erfahrungen und Marktphasen und verfeinern Sie Ihre Devisenstrategie Schritt für Schritt – am besten zusammen mit Expertinnen und Experten im Fremdwährungsmanagement.
Häufige gestellte Fragen zur Währungsabsicherung
Die Hedge-Quote bzw. Absicherungsquote gibt an, wie viel vom gesamten Fremdwährungsbetrag abgesichert wird. Sie hilft, Risiko und Chancen im richtigen Verhältnis zu steuern und variiert je nach Unternehmenssituation.
Noch Fragen rund um Fremdwährungsrisiken?
Sie möchten einschätzen, wie stark Ihr Unternehmen von Wechselkursen betroffen ist und welche Devisenstrategie zu Ihnen passt? Unsere Expertinnen und Experten sind gerne für Sie da.